Arbeitgeber brechen Gastro-KV-Verhandlungen ab

Nachricht vom ÖGB

 Unternehmer wollten Arbeitsbedingungen weiter verschlechtern

 

Die Verhandlungen über den Kollektivvertrag für das Hotel- und Gastgewerbe sind heute in der dritten Runde durch die Arbeitgeberseite abgebrochen worden. „Die Forderungen der Arbeitgeber sind schlichtweg inakzeptabel, Gespräche über eine Einkommenserhöhung hätte es überhaupt nur gegeben, wenn wir zuvor massiven Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen zugestimmt hätten“, berichten die Verhandlungsführer der Gewerkschaften vida und GPA-djp, Rudolf Komaromy und Alfred Gajdosik: „Das ist ein Armutszeugnis für die Branche, die Leidtragenden sind die rund 200.000 Beschäftigten. Die Vorschläge der Gewerkschaft für ein bundesweit einheitliches, modernes Lohn- und Gehaltssystem wurden dadurch verhindert. “

Die Arbeitgeberseite will die Arbeitsbedingungen in der ohnehin schwierigen Branche noch einmal massiv verschlechtern. Konkret geht es um eine Verkürzung der Nachtruhezeit von derzeit elf auf acht Stunden auf gesetzlicher Ebene sowie eine massive Ausweitung der Durchrechnungszeiträume auf sechs Monate. Nur wenn die Gewerkschaften hier zugestimmt hätten, wäre eine Erhöhung der Löhne und Gehälter überhaupt verhandelt worden. „Ich verhandle seit 30 Jahren, und zum ersten Mal bin ich wirklich sprachlos über das Verhalten der Arbeitgeber“, so Gajdosik. „Eine für jede Arbeitnehmervertretung völlig inakzeptable Forderung zur Bedingung zu erheben, überhaupt über Lohn- und Gehaltserhöhungen zu reden, erweckt außerdem den Eindruck, dass die Arbeitgeberseite gar nie vorgehabt hat, einen Abschluss zu erreichen“, ergänzt Komaromy.

Für die rund 200.000 Beschäftigten bedeutet das Verhalten der Arbeitgeber, dass sie im Endeffekt eine Reallohnkürzung hinnehmen müssen. Nicht nur, dass es keine angemessene Einkommenserhöhung gibt, es wird ja nicht einmal die Inflationsrate abgegolten. Für den Tourismus ist das Verhalten der Arbeitgeber ein Armutszeugnis, betonen beide Gewerkschafter: „Es wird immer darüber gejammert, dass es nötig ist, das Image der Branche zu verbessern, aber wenn es dann darum geht, einen konkreten Schritt zu tun, werden die Beschäftigten regelrecht verhöhnt“, so Komaromy und Gajdosik.

Die Forderungen der ArbeitnehmerInnenvertretung bleiben jedenfalls aufrecht:

Schrittweise Anhebung von Mindestlohn bzw. Mindestgehalt auf 1.500 Euro
Angemessene Einkommenserhöhung für alle Beschäftigten
Angemessene Erhöhung der Lehrlingsentschädigungen und Übernahme der Internatskosten durch die Arbeitgeber
Ein bundesweit einheitliches, modernes Lohn- und Gehaltssystem mit neuer Nomenklatur und einheitlichen Lohn- bzw. Gehaltstabellen

In der kommenden Woche werden weitere Schritte und Maßnahmen in den Gremien beraten und beschlossen werden.