Kalte Progression schlägt zu

Kalte Progression schlägt zu

Von den guten Lohn- und Gehaltserhöhungen kommt zu wenig im Geldbörsel der ArbeitnehmerInnen an.

Kalte Progression, steigende Lebenshaltungskosten: Von den guten Lohn- und Gehaltserhöhungen, die die Gewerkschaften Jahr für Jahr erkämpfen, bleibt zu wenig im Geldbörsel der ArbeitnehmerInnen. Denn im Gegensatz zu den Löhnen und Gehältern, die jährlich erhöht werden, bleiben die für die Lohnsteuer maßgeblichen Einkommensgrenzen gleich. Dadurch rücken immer mehr ArbeitnehmerInnen in höhere Steuerklassen vor. Besonders betroffen sind Menschen im unteren und mittleren Einkommensbereich. Die Gefahr ist hier am größten.

Faktor Arbeit entlasten

„Wir brauchen eine nachhaltige Lösung, damit die ‚kalte Progression‘ die Lohn- und Gehaltserhöhungen nicht sofort wieder wegfrisst, und von der alle LohnsteuerzahlerInnen profitieren“, sagt ÖGB-Präsident Erich Foglar. Entlastet sollen aber auch jene werden, die aufgrund ihrer niedrigen Einkommen keine Lohnsteuer zahlen.

Schieflag

Um die „kalte Progression“ abzuschaffen, sollen zum Beispiel die Einkommensgrenzen für die Lohnsteuer jährlich angehoben werden, ähnlich wie es bereits in der Schweiz und in Frankreich der Fall ist. „Jetzt geht es um eine rasche und gerechte Entlastung der ArbeitnehmerInnen und PensionistInnen“, sagt Foglar. Das österreichische Steuersystem weist im Vergleich zu anderen Ländern eine große Schieflage auf. „Arbeit wird viel zu hoch, Vermögen viel zu gering besteuert. Vermögensbezogene Steuern müssen auf internationales Niveau angehoben werden, und der Faktor Arbeit muss entlastet werden“, fordert ÖGB-Präsident Erich Foglar.

Beispiel kalte Progression:

Ein Facharbeiter verdient 2013 brutto 2.800 Euro (netto: 1.810,75) monatlich. Angenommen, die Lohnerhöhung beträgt 2,8 Prozent, die Inflation 2 Prozent, so steigt sein Lohn 2014 auf 2.878,40 Euro brutto (netto 1.847,17) monatlich. Von seiner Bruttolohnerhöhung von 78,40 Euro gehen ihm monatlich allein durch die kalte Progression 13,02 Prozent (10,21 Euro) der Erhöhung verloren. Auf die Monate und Jahre gerechnet, summiert sich der Betrag, und der Facharbeiter verliert einige Hundert Euro.